Robert Besta, Schauspieler & Musiker
Porträt

Cameron Diaz ist „Back In Action“ – und als Antagonist der einst bestbezahltesten Schauspielerin aus der Traumfabrik hat „Fallers“-Fiesling Robert Besta seinen ersten Filmauftritt in Hollywood. Dank der Netflix-Spionagekomödie, die es nach Streamingstart prompt auf Abrufplatz eins geschafft hat, steht auch der Wahl-Karlsruher bei der Premiere im Berliner Zoo Palast im Rampenlicht. Diaz feierte Mitte Januar nach zehn Jahren Abstinenz das Schauspielcomeback – als Ex-CIA-Agentin, die am Ende ihrer letzten Mission den Tod vorgetäuscht und sich mit ihrem privaten wie beruflichen Partner (Jamie Foxx) inkognito ins Familienleben zurückgezogen hat. Bis sie von ihrer Geheimdienstvergangenheit in Person des Cyberterroristen Balthazar Gor eingeholt werden.
Es sind nur drei Szenen in knapp zwei Stunden, die dem 1978 bei Kattowitz im oberschlesischen Świętochłowice geborenen Besta zugestanden werden, um den dubiosen Oligarchen als charismatischen Gegenspieler der beiden Moviestars zu etablieren – mit osteuropäischem Akzent, auch in seiner Muttersprache Polnisch und jener prägnanten Stimme, die man u.a. aus zahlreichen Hörspielen und Features von SWR und Deutschlandradio Kultur im Ohr hat. „Ich bekam ein E-Casting, das ich mit einer Kollegin zu Hause aufgenommen habe – und nach einigen Tagen die Zusage für die Rolle“, erzählt Besta, der mit der Bildenden Künstlerin und Geschäftsführerin des Ettlinger Kunstvereins Wilhelmshöhe Alex Besta zwei Kinder hat und selbst mit acht nach Deutschland kam: „Nachdem meine Mutter, meine Schwester Christine und ich knapp fünf Jahre vom kommunistischen System in Polen festgehalten wurden, durften wir endlich zu meinem Vater ausreisen, der bereits hier war.“
Im Südwesten und darüber hinaus ist er lange vor den Dreharbeiten in den Londoner Shepperton Studios und den Trilith Studios in Atlanta unter Fernsehzuschauern ein äußerst vertrautes Gesicht. Dass er dabei auf die Rolle des Bösewichts abonniert sein soll, ist nur die halbe Wahrheit. Zumal Theatergänger den 46-Jährigen längst kennen, bevor er zur Stammbesetzung der SWR-Schwarzwaldserie „Die Fallers“ stößt: Hier mimt er seit 2017 sonntags um 19.15 Uhr den windigen Geschäftsmann Constantin Klumpp, der nach langer Abwesenheit in sein Heimatdorf zurückkehrt. Denn Besta steht nicht nur seit zwei Jahrzehnten regelmäßig vor der Kamera – ob für große TV-Produktionen wie „Die Holzbaronin“ (2013), Kultreihen wie den „Tatort“, „Polizeiruf 110“ und etliche ZDF-„Sokos“ (zuletzt im Januar als karrieregeiler Kölner „Dart King“), Serien wie die vierte Staffel „Babylon Berlin“ und die elfte Staffel „Morden im Norden“ oder dem 2020 auf den „Filmfestspielen von Venedig“ für einen „Golden Löwen“ nominierten Kinodrama „Und morgen die ganze Welt“ und dem Mitte März gestarteten Biopic über den Theologen-Widerständler Dietrich „Bonhoeffer“.
Von Haus aus steht er jedoch vielmehr auf der Bühne: Nach seiner Studienzeit von 2001 bis ’05 an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch zieht es ihn nach Karlsruhe: „Ich bekam direkt ein Festengagement am schönen Badischen Staatstheater und wollte unbedingt spielen – somit fiel die Entscheidung leicht.“ Ab der Spielzeit 2005/06 ist er Ensemblemitglied, wird sogleich Leiter des Jugendtheaterclubs, erhält 2007 den jährlich ans beste Nachwuchstalent verliehenen „Goldenen Fächer“ der hiesigen Kunst- und Theatergemeinde und wirkt bis 2014 u.a. in „Der Brandner Kaspar“, „Woyzeck“ und „Ein Sommernachtstraum“ mit. Auch als Regisseur tut er sich hervor, lässt 2012 in der Doku „Abgesang – Aus dem Leben eines Theaterschauspielers“ sechs Kollegen am Ende ihrer Karriere reflektieren und kann dabei immer wieder seine musikalische Gabe einbringen, etwa in der männlichen Hauptrolle des Bast-Musicals „Alice“.
„Die Musik hatte schon immer einen hohen Stellenwert für mich“, sagt Besta, der als Siebenjähriger das Geigenspiel erlernt, während der Konstanzer Schulzeit als Konzertmeister im Orchester aktiv und außerdem Teil der Jazz-AG ist. Im zweiten Corona-Lockdown setzt der Multiinstrumentalist die fixe Idee um, aus seinen angesammelten Text- und Melodiefragmenten ein Album zu machen; er experimentiert im Heimstudio, spielt alles im Alleingang ein und releast 2021 auf seinem Label Robs Music neun poetisch-gefühlvolle, nachdenklich-melancholische Indiesongs. Die sich schon im Titel widerspiegelnde Frage nach der Lebensgestaltung wurde zentrales Thema. Inspiriert hat Besta dabei der US-Schriftsteller und -Philosoph Henry Thoreau, „weil er schon sehr früh den Gedanken der Nachhaltigkeit geprägt hat: Was brauche ich wirklich zum Leben, was ist unnützer Ballast? So baute er sich eine Hütte im Wald, wo er zwei Jahre lebte. Diesen Minimalismus und den Versuch, im Einklang mit der Natur und seiner Umgebung zu sein, finde ich äußerst faszinierend!“ Um das Solodebüt auch live performen zu können, formiert sich um das zwischen Indie und Blues, Melancholie und Upbeat swingende „Misericordia“ alsbald eine Band: Micor, vielsagend benannt nach den Augenprüfsternen Mizar und Alkor. Mit Marcus Franzke (Posaune/Keyboard/Trompete), Johannes Frisch (Kontra-/E-Bass) und Stefan Breuer (Drums) geht’s sodann abermals zu Thomas Mark, der Edo Zankis Tonstudio Kangaroo übernommen hat. Die seit Ende Januar bei den gängigen Streamingdiensten verfügbare Single „Redemption I“ wird am Sa, 26.4. auch auf der „C/O Pop“ in Köln vorgestellt; auf Bestas Youtube-Kanal (@tirilitkum) findet sich „Redemption II“ und im Sommer steigt dann das Releasekonzert des Albums, das Besta mit seinem vom Bariton bis in die Höhen reichenden Gesang veredelt.
Zusammenfließen dürfen die Disziplinen vergangenes Jahr in der sechsteiligen ZDF-Anwaltsserie „Mandat für Mai“: Ausnahmsweise mal als so ganz unschurkischer tschechischer Good Guy steht Bestas Hauptrolle Jaro in der finalen Folge beim Showdown samt Micor auf der Dorffestbühne. „Es war sehr schön, mal nicht den Bad Guy zu spielen, da man als Schauspieler natürlich gerne unterschiedliche Seiten zeigen möchte und nicht immer nur die eine in verschiedenen Variationen. Warum ich oft so besetzt werde, kann ich nicht beantworten. Das müsste man eher die Caster und Regisseure fragen. Es wird wohl eine bestimmte Energie in mir gesehen, die ich relativ einfach abrufen kann“, versucht er sich an einer Erklärung.
In der 31. „Fallers“-Staffel ist Besta ebenfalls wieder am Start, weitere internationale Rollen würden ihn aber durchaus reizen. Fans, die befürchten, dass Constantin Klumpp Schönwald aus Zeitgründen abermals den Rücken kehrt, kann der gefragte Schauspieler beruhigen: „Ich liebe die Arbeit bei den ‚Fallers‘ und bin sehr froh, dass wir eine Produktionsgarantie bis 2028 erhalten haben. Es ist ein großes Geschenk, eine Rolle über solch einen langen Zeitraum weiterentwickeln zu können und mit einem super Team so eingespielt zu sein – deswegen denke ich nicht über einen Ausstieg nach.“ -pat