Independent Days 12 Filmfest
Kino & Film // Artikel vom 17.04.2012
Qualität ohne Quantität?
Das ist für die unabhängige Filmemacherszene keine Frage, sondern mit 112 Beiträgen aus aller Welt belegter Fakt, wenn man sich zum zwölften Mal beim internationalen Low- und No-Budget-Festival „Independent Days“ trifft. Zum „Filmfest Opening“ (Mi, 16.5., 17 Uhr) geben der seit der ersten Klappe 1998 involvierte Festivalleiter Oliver Langewitz und sein ehrenamtlich arbeitendes Team einen Ausblick auf die gebotene Bandbreite; außerdem zu sehen sind dann die Premieren der allesamt im Stadtgebiet via Smartphone gedrehten Gewinner des Kurzfilmwettbewerbs „Karlsruhe@Identity“.
Im Anschluss läuft der erste von drei thematisch sortierten eineinhalbstündigen Low-Budget-Blöcken: „Das Leben stinkt!“ (19.15 Uhr). Unter den 16 Startern befindet sich auch der 2011 für den Studenten-„Oscar“ nominierte Kurzfilm „Raju“ von Max Zähle über ein deutsches Ehepaar (Wotan Wilke Möhring und Julia Richter), das in Kalkutta ein vermeintliches Waisenkind adoptieren möchte. Nach Mehrsamkeit begehrt’s auch den im Isolationskorsett feststeckenden Protagonisten des zweiten Blocks „Lonely Hearts“ (Do, 17.5., 19.15 Uhr), während sich „Poetic Worlds“ (Fr, 18.5., 19.15 Uhr) ganz den Fantasien und Träumereien hingibt.
Für welchen Filmemacher der mit 1.000 Euro dotierte „Filmpreis der Kulturstiftung der Sparkasse Karlsruhe“ keine Wunschvorstellung bleibt, klärt sich nach der Stimmauszählung im Finale des Low-Budget-Wettbewerbs (So, 20.5., 19 Uhr). Und bis das geschehen ist, gibt’s den Preisträger des „Film- und Vision-Schul-Contest“ zu sehen, einem Medienkompetenzworkshop, den die Jugendstiftung der Sparkasse und das Filmboard Karlsruhe dieses Jahr zum zweiten Mal ausgelobt haben. Die siegreichen Neunt- und Zehntklässler der Drais-Realschule-Video-AG haben sich für Momentaufnahmen zum Thema „Liebe“ entschieden, die zusammen mit Sven Eric Maier in Szene gesetzt wurden. Der Ettlinger Story-Designer hatte außerdem beim anschließend vorgeführten Filmboard-Projekt über Armut, „Schwarz und Weiß“, die Regie inne.
Mit quasi nullkommanix mussten die 29 No-Budget-Beiträge auskommen. Schräge Vögel versammelt der erste von gleichfalls drei 90-minütigen Themenblöcken unterm Titel „Freax“ (Mi, 16.5., 21.15 Uhr). Mit „Begegnungen“ (Do, 17.5., 21.15 Uhr) – oder besser gesagt den daraus resultierenden Beziehungen – beschäftigt sich Block zwei. Schöne wie weniger schöne Erinnerungssplitter sind Gegenstand von „Fragmente des Lebens“ (Fr, 18.5., 21.15 Uhr). Wer beim Publikum nachhaltig im Gedächtnis bleibt, findet sich im Finale des No-Budget-Wettbewerbs (Sa, 19.5., 19 Uhr) wieder und hat eine Hand an der „Goldenen ID“. Der mit 500 Euro bedachte städtische Filmpreis wurde dieses Jahr durch den Karlsruher Künstler Stefan Doldt von der Anstecknadel zum edlen Award umgestaltet.
Weil allerdings nicht alles im Leben aus Wettkampf bestehen muss, laufen traditionell auch zahlreiche Beiträge außer Konkurrenz im Programm der zum zweiten Mal von der Georg-Fricker-Stiftung geförderten „Independent Days“, darunter neun Langfilme: Dokus, wie „Der Taktstock“ (So, 20.5., 14.30 Uhr, www.der-taktstock-film.de), Michael Wendes preisgekrönter Diplomabschlussfilm über den Dirigentenwettbewerb der Bamberger Symphoniker, die durch eine animierte, von Herbert Feuerstein gesprochene Figur begleitet werden. Im selben Block läuft anschließend das halbstündige Stuttgarter „Bauhäusle – Einfach mehr als ein Studentenwohnheim“. Für „Win Or Die – Voices Of The Libyan Revolution“ (Fr, 18.5., 15 Uhr, www.win-or-die.net) begab sich Regisseurin Nic Nagel im Arabischen Frühling an die vorderste Front. Rein spannungsgeladen ist dagegen der österreichische Mystery-Krimi „22:43“ (Mi, 16.5., 23.30 Uhr, www.2243-derfilm.at) von Markus Hautz, in dessen bepreistem Debüt sich ein schreibblockierter Autor vom einen Moment auf den anderen nicht mehr entsinnen kann, wo die vergangenen drei Jahre geblieben sind. Und „Pumping Ercan“ (Sa, 19.5., 15 Uhr, www.pumping-ercan.de) dokumentiert den 40-jährigen Bodybuilding-Schwergewichtler Ercan Demir nach zehnjähriger Wettkampfpause auf dem Weg zum Senioren-Weltmeistertitel und erzählt darüber hinaus noch eine türkisch-deutsche Liebesgeschichte.
Ohne offizielle Wertung bleiben auch die freien Kurzfilmblöcke: Beziehungschaos, Elternstreitigkeiten und andere Facetten des Jungseins fasst „Shorts For Teens“ (Do, 17.5., 14.30 Uhr) zusammen, für dessen (zumindest akustisches) Verständnis Englischkenntnisse nicht ganz unerheblich sind. „Colorful World“ (Do, 17.5., 23.30 Uhr) bringt bunte Beiträge aus dem Iran, Indien, Polen, Italien, Estland und Amerika nach K-Town; bei „Sail Away! Von Abenteurern und Weltentdeckern“ (Do, 17.5., 17 Uhr) geht’s unter anderem „Per Anhalter über den Atlantik“; „Girl’s Depressions“ (Fr, 18.5., 17 Uhr) bündelt die Dramen der Todesgedanken hegenden Anna (www.annas-augenblicke.de) und Monika (www.monika-film.de), die nach einer Augen-OP erblindetet ist. Wer sich dagegen über spitzzahnige Discobekanntschaften und Unter-dem-Bett-Bewohner gruseln möchte, ist bei „There’s A Ghost In The House“ (Fr, 18.5., 23.30 Uhr) gut aufgehoben. Mit den Ackermännern und -frauen rechnet „Kredithaie und Geldverzocker“ (Sa, 19.5., 17 Uhr) ab; wie man das Beste aus Verlusten macht, verrät „Endzeitstimmung! Na und?“ (Sa, 19.5., 21.15 Uhr). Der Trash-Block nennt sich nun „Indy-Cinema Deluxe“ (Sa, 19.5., 23.30 Uhr) und präsentiert mit dem mehrfach ausgezeichneten satirischen Musikvideo „Mutant Calculator“ von Alexander Tuschinski und „On The Phone“, einem Beitrag aus Karlsruhes Partnerstadt Krasnodar, zwei äußerst ungewöhnliche Hauptakteure. Die Fächerstadt ist durch Benjamin Herkert (www.bott-x.de.vu) und seinen Videoclip „Aus Liebe zum Beat“ mit den Karlsruher HipHoppern Katun Musik sowie der großteils auf dem hiesigen Schlachthofareal gedrehten Cartoon-Parodie „Ruthe – Du bist wie Sand“ gleich zweifach vertreten; „Dirty Life“ (So, 20.5., 16.30 Uhr) vereint Überlebenskünstler zwischen Äthiopien und russischer Pampa.
Im Club Stadtmitte steigt die „Filmfest-Party“ (Sa, 19.5., 21 Uhr) mit den Machern, DJ Justin Nova und Elektro der Karlsruher Spatzen. Übers ID-Ticket ist der Einlass kostenlos. Wer das gesamte Filmprogramm mitnehmen möchte, legt sich einen Festivalpass für 50 Euro zu; neu ist in diesem Jahr das „5 To Go“-Ticket, mit dem für 25 Euro fünf Blöcke besucht werden können. Dass einer der Festivalhingucker wieder im Standbild daherkommt, liegt am Plakatmotiv des Hamburger Illustrators Uli Pforr. Auch wenn es für die darauf zusammengestellten Berühmtheiten der einzige Filmfest-Auftritt bleiben wird. -pat
Mi-So, 16.-20.5., Schauburg, Karlsruhe
www.independentdays.de
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