Die Majolika oder der Wunsch nach der eierlegenden Wollmilchsau
Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 13.10.2016
1901 gegründet, gehört das Traditionsunternehmen am Rande des Schlossparks zur kulturellen DNA der Fächerstadt.
Die Majolika ist außerdem die einzige Keramik-Manufaktur Deutschlands und bedient dadurch gleich zwei Segmente, die gänzlich wegzubrechen drohen, falls der städtische Rettungsplan scheitern sollte: einmal die Kunstproduktion in Keramik und zudem die Möglichkeit, keramische Kunst am Bau zu produzieren. Klar ist außerdem, dass die Stadt durch ihre Übernahme der Majolika von der L-Bank 2010 für einen symbolischen Euro eine Verpflichtung eingegangen ist – die scheint sie mit ihrem Gemeinderatsbeschluss im September anzuerkennen.
In Spar-Zeiten rund 350.000 Euro (mit abnehmender Tendenz in den nächsten Jahren) für ein Unternehmen bereitzustellen klingt erst mal viel. Aber was davon alles bezahlt werden muss, ist es eben auch. Nach einer (vielen zu) radikalen Schrumpfkur soll auch noch – offensichtlich aus dem laufenden Betrieb, ohne zusätzliche Mitarbeiter – ein „internationales Keramikzentrum“ aufgebaut werden... immer vor dem Hintergrund, dass das Damoklesschwert „Rentabilität“ über der Majolika schwebt. Ein solches Zentrum wäre sinnvoll – aber wie soll das gehen?
Mal ganz ehrlich: Die Stadt hätte in den letzten Jahren durchaus mehr für den Erhalt tun können, etwa durch die Direktvergabe von Tunnelkeramik beim Ausbau der U-Strab. Da wäre dann wenigstens das Geld, das aktuell in den Karlsruher Boden vergraben wird, in der Stadt geblieben. Stattdessen ist es jetzt ein klares „ja, aber“-Bekenntnis zur Majolika, die mehr verdient hätte. Denn wer setzt schon auf ein Keramikzentrum, das innerhalb der nächsten Jahre Gefahr läuft, wieder geschlossen zu werden? Sponsoren gewinnt man damit sicher nicht.
Es stünde dem Gemeinderat wirklich gut zu Gesicht, Kultur endlich einmal als das zu begreifen, was es tatsächlich ist: ein Standortfaktor. In der Kulturwirtschaft arbeiten hochmotivierte Menschen, die für die jeweilige Stadt und Region ein kulturelles Wohlfühlklima schaffen. Trotzdem gibt es Dinge, die Unterstützung brauchen (aber die erhält die Automobilbranche in Form von Subventionen auch!).
Und vielleicht sollte die Stadt Karlsruhe endlich unter dem Aspekt, dass Kultur ausnahmslos für alle wichtig ist, die Majolika als schützenswertes Kulturgut begreifen, die man als „bewegliches Denkmal“ unter Schutz stellen sollte – und Schutz gebührt der Majolika als letzte ihrer Art und als Möglichkeit, ein Alleinstellungsmerkmal über die Zeitläufte hinweg zu etablieren. -ChG
WEITERE KUNST & DESIGN-ARTIKEL
Martin Pöll
Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 13.04.2025
Der gebürtige Südtiroler Bildhauer Martin Pöll erarbeitet einerseits ganz traditionell realistische Holzskulpturen, bevorzugt Raben, in z.T. äußerst gewagten Konstruktionen aus rohen Holzstämmen – was bei seiner Herkunft zunächst kaum jemand verwundern dürfte.
Weiterlesen … Martin PöllUnrecht & Profit – Das Badische Landesmuseum im Nationalsozialismus
Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 12.04.2025
Lange Zeit galten Museen während der NS-Zeit als scheinbar unverdächtig, ja sogar als Opfer des staatlich angeordneten Entzugs von „entarteter Kunst“.
Weiterlesen … Unrecht & Profit – Das Badische Landesmuseum im Nationalsozialismus200 Jahre KIT in 100 Objekten
Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 11.04.2025
2025 feiert das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ein ganz besonderes Jubiläum.
Weiterlesen … 200 Jahre KIT in 100 ObjektenPeter Piek
Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 09.04.2025
Der 1981 in Karl-Marx-Stadt geborene Künstler Peter Piek ist von Hause aus multimedial unterwegs.
Weiterlesen … Peter PiekWaldemar Cordeiro
Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 04.04.2025
Waldemar Cordeiros Vermächtnis liegt in der Verknüpfung von Kunst, Technologie und Gesellschaftsthemen – zugleich zählt er aber auch zu den Pionieren der Konkreten Kunst in Lateinamerika.
Weiterlesen … Waldemar CordeiroPaul Reichle
Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 04.04.2025
Aus Anlass seines 125. Geburtstags wird dem Maler Paul Reichle (1900-’81) eine umfangreiche Retrospektive gewidmet.
Weiterlesen … Paul ReichleDennis Ulbrich – Verflechtungen
Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 04.04.2025
Dennis Ulbrich (geb. 1989 in Pforzheim) ist ein aufstrebender deutscher Künstler, der mit seinen kraftvollen Kompositionen zu einer spannenden Stimme der zeitgenössischen Kunstszene zählt.
Weiterlesen … Dennis Ulbrich – VerflechtungenThe Story That Never Ends
Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 04.04.2025
Mit der Ausstellung „The Story That Never Ends“ gibt das ZKM einen umfassenden Einblick in die eigene Medienkunstsammlung, die mit ca. 12.000 Werken zu den größten und bedeutendsten der Welt gehört.
Weiterlesen … The Story That Never EndsThe Story That Never Ends
Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 04.04.2025
Mit dieser Ausstellung gibt das ZKM einen umfassenden Einblick in die eigene Sammlung, die mit ca. 12.000 Werken zu den größten und bedeutendsten Medienkunstsammlungen der Welt zählt.
Weiterlesen … The Story That Never Ends
Kommentare
Einen Kommentar schreiben