YOU_ser: Kreative Besucher gefragt
Kunst & Ausstellungen // Artikel vom 16.11.2007
Verschlafen dreinblicken, gähnen oder gar an der Nase rumfummeln sollte man besser während des gesamten Rundgangs unterlassen, selbst als einzelner Besucher am frühen Morgen im ZKM, denn überall lauert die „Auto_falle“.
Wer eine bestimmte Stelle passiert, wird automatisch von einer digitalen Kamera geknipst. Ein bisschen hinterhältig dabei ist, dass gegenüber eine großformatige Kamera als Blickfang hängt und während man noch unschuldig tüftelt, worum es hier geht, ist man schon als erstaunter Betrachter auf dem Bildschirm zu sehen. Dieses Echtzeitbild wird erst dann vom Bildschirm verdrängt, wenn ein anderer Besucher in dieselbe „Autofocusfalle“ tappt.
Auch gleich beim Eingang empfängt „YOU_ser: Das Jahrhundert des Konsumenten“ den Museumsgänger mit einem Paukenschlag ins eigene Abbild, denn hinter der Trommel filmt eine Kamera die eintretenden Besucher. Schon 1970 erklärte Joseph Beuys: „Jeder Mensch ist ein Künstler“, und nun fordert die neue große Sonderausstellung im ZKM aktiv die Beteiligung ihrer Besucher. Fast jedes Exponat lädt zum Mitmachen ein: Hier lässt sich eine Bildauswahl treffen oder das eigene Buch drucken, dort kann man die TV-Nachrichten zusammenstellen oder ein Hintergrundbild aussuchen, vor dem dann echte Fische im Aquarium ihre schlingernden Kreise ziehen. Meist werden ja im ZKM interaktive Installationen gezeigt.
Doch dieses Mal steht wirklich der Betrachter im Zentrum der Ausstellung. Wir gestalten das Kunstwerk, wir vollenden es oder wählen aus. Das ist schon eine tolle Sache, die jedoch Zeit erfordert. Einfach durchschlendern und zuschauen reicht nicht. Ein paar Anleitungen, Hinweise und Texte muss sich der potenzielle Künstler zu Gemüte führen, bevor er loslegt, doch dann sind seiner Fantasie und seinem künstlerischen Genius kaum Grenzen gesetzt: Digitales Storytelling oder Ganzkörperporträt, jeder findet hier ein Eckchen, um sich zu verwirklichen. Für Schwindelfreie empfiehlt sich das virtuelle Museum von Jeffrey Shaw. In einem dunklen Raum steht ein Stuhl auf einer drehbaren Plattform. Sobald man Platz nimmt, beginnt die Fahrt. Während sich der Stuhl dreht, zoomt die Kamera auf einem sphärischen Bildschirm im Museum herum. Durch Neigen des Körpers beeinflusst man diese virtuelle Fahrt, die ein mulmiges Gefühl im Bauch hervorruft.
Im hinteren Bereich wurde ein ganzer Raum mit Kinosesseln ausgestattet und abgetrennt, hier lassen sich in aller Ruhe Dokumentarfilme wie „We feed the world“ anschauen. Neben den unterschiedlichen Exponaten lädt auch die ansprechende Ausstellungsstruktur mit den farbigen Trennwänden zum Verweilen ein. Tja, nichts wie hin, denn Du (You) bist der Inhalt (und Nutzer = user) dieser Schau. Am besten ausgeschlafen, frisch frisiert und ohne falsche Scham. -ub
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