Im Gespräch mit Kulturbürgermeister Wolfram Jäger
Stadtleben // Artikel vom 12.04.2012
2011 hat das Land Baden-Württemberg die Kunstkonzeption „Kultur 2020“ verabschiedet.
Das vor Augen und im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes der Stadt Karlsruhe (ISEK) hat sich Kulturbürgermeister Wolfram Jäger daran gemacht, mit seinem Mitarbeiterstab eine parteienübergreifende Kulturkonzeption für Karlsruhe zu erstellen.
Tragfähig für die nächsten Jahre, zielgruppenorientiert und nachhaltig soll sie sein, integrativ wirken und vor allem die kulturelle Vielfalt sichern, die Karlsruhe als Kulturstadt ausmacht. Dr. Chris Gerbing und Roger Waltz sprachen mit Bürgermeister Jäger über seine Ziele, sein Vorgehen und die Zukunft der Kultur in Karlsruhe, auch vor dem Hintergrund angespannter öffentlicher Kassen.
Roger Waltz (RW): Herr Jäger, umreißen Sie für uns kurz Ihre Konzeption und die damit verbundenen Ziele?
Wolfram Jäger (WJ): Die kommunale Kulturpolitik erfüllt eine wichtige Querschnittsfunktion in der Stadtentwicklung. Sie ist eng verzahnt mit Bildung, Wirtschaft, Tourismus sowie der Standort-, Integrations- und Sozialpolitik und der Stadtplanung. Den Rahmen der Kulturkonzeption müssen wir nun mit Inhalten füllen und unseren Bedürfnissen vor Ort anpassen. Gut am Landeskonzept ist die Aufforderung, uns parteiübergreifend der Sache wegen zusammenzutun – auf landes- wie kommunaler Ebene. Kommunale Kulturpolitik ist ja deutlich breiter gefächert als die des Landes. Es ist mir sehr wichtig, dass wir uns vor Ort nicht gegenseitig blockieren, alle unsere Ideen bündeln und definieren und anschließend vernetzen. Alle Beteiligten sollen sich darin wiederfinden. Unabdingbar ist für mich eine größtmögliche Transparenz und Offenheit. Ich will gemeinsam mit den Kulturschaffenden, den Institutionen vor Ort und den politisch Verantwortlichen den Prozess voranbringen, denn Kultur geht uns alle an! Und ein solcher öffentlicher Prozess stärkt die Kultur letztlich. Daher findet am 2.5. im Tollhaus eine Werkstatt zur Kulturkonzeption der Stadt statt, zu der wir ca. 1.000 mit Kultur und Bildung sowie weiteren kulturnahen Bereichen befasste Expertinnen und Experten der Institutionen und der freien Szene eingeladen haben.
Chris Gerbing (ChG): Haben tatsächlich auch in der Kommunalpolitik alle erkannt, dass Kultur ein harter Wirtschaftsfaktor ist? Soeben wurde allen Ernstes eine Bewerbung Karlsruhes für die „Heimattage“ abgegeben – sprich für einen Massenevent. Beziehungsweise: Das Thema Nachhaltigkeit ist derzeit ja in aller Munde – wie tragen Sie dem denn im Kulturbereich Rechnung?
WJ: Wir müssen uns natürlich die Frage nach der Nachhaltigkeit, also nach der Zukunfts- und Langzeitwirkung einer Veranstaltung, stellen. Wir dürfen nicht irgendein Event durchführen, das nach der Durchführung direkt wieder vergessen ist. Solche Entwicklungen schaden letztlich. Ich glaube, dass alle erkannt haben, dass Kultur kein „weicher“, sondern ein harter Wirtschafts- und Standortfaktor ist, insbesondere in dieser großartigen Kulturstadt Karlsruhe.
RW: Wie bringen Sie sich persönlich ein?
WJ: Ich habe mich selbst in diesen Prozess mit eingebracht. In zwei halbtägigen internen Workshops haben wir 2011 sechs Handlungsfelder als Diskussionsgrundlage erarbeitet, die wir mit dem Kulturausschuss, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern von Politik, Kultur, Sozialem und Wirtschaft, diskutiert haben. Anhand derer sehen Sie, dass wir Kultur als Querschnittsaufgabe auffassen: kulturelle Bildung und kulturelles Erbe, die Verbindung von Kultur- und Kreativwirtschaft sowie jene von Kunst und Technologie, aber auch die Schaffung kultureller Infrastrukturen im Stadtraum.
RW: Wir haben in Karlsruhe zahlreiche Institutionen, die auch der Bewahrung von Kultur verpflichtet sind. Das Landesmuseum, die Kunsthalle, die Landesbibliothek – um nur die wichtigsten zu nennen. Letztlich müsste man deren Bestände stärker hervorheben, dass diese einen „Pop-Faktor“ bekommen.
WJ: Damit sind wir ja mitten in unserer Kulturkonzeption. Ich denke, wir müssen hier nicht nur auf das, was wir an Kulturgütern in der Stadt haben, aufmerksam machen, sondern aktiv Schwellenängste abbauen. Wir brauchen Kulturpaten, die Menschen mit geringerem Bezug zur Kultur tatsächlich an der Hand nehmen, diese ermuntern, sie aktiv mitnehmen. Denn wenn wir diese nicht ansprechen und erreichen, dann werden wir aufgrund des demografischen Wandels mittelfristig ein Ausbluten der Kultur nicht verhindern können. Kultur für alle heißt: Zugang für alle – Schranken weg! Gerade in der Stadt der Richter, der Gerichte, ist Kultur ein „Grundrecht“ für alle! Wir sind deshalb dabei, eine Arbeitsgruppe „Kulturelle Bildung“ unter Federführung des Kulturamtes zu gründen, denn meiner Meinung nach gehört Bildung und Kultur zusammengeführt, nur dann können wir nachhaltig agieren! Wir müssen Freiräume schaffen und gewähren.
RW: Müssen wir nicht letztlich genau überlegen, wo das wenige Geld, das die Kultur dennoch „frei“ zur Verfügung hat, ausgegeben wird?
WJ: Wir schärfen unser Kulturprofil, machen es transparenter, auch über den OB-Wechsel hinaus. Aus dieser Transparenz erhoffen wir uns auch, dass der Gemeinderat sieht, in welchen Bereichen er uns konkret mit Finanzmitteln unterstützen kann und wir erhoffen uns daraus eine größere Bereitschaft hierzu. Wir stellen ganz konkrete Richtlinien auf, wie und wo wir als Kulturamt unterstützend tätig werden wollen. Das ist nichts Statisches, wir müssen ständig neu überlegen, neu austarieren. Das Kulturkonzept soll eine langfristige Richtschnur sein. Parteiübergreifend, nachhaltig und kontinuierlich wünsche ich mir die Kulturpolitik in Karlsruhe, und unabhängig von der Neuausrichtung an der Spitze der Stadt soll sie objektiv das Beste für die Kulturstadt Karlsruhe hervorbringen.
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